Ku'damms letzter Tennisplatz

Zwischen Geschichte und Gegenwart – eine neverending Story

Mitten in der City West, verborgen hinter der Schaubühne am Lehniner Platz, liegt ein Ort, der wie kaum ein anderer für das Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft steht: die ehemaligen Tennisplätze des WOGA-Komplexes an der Cicerostraße. Was einst ein lebendiger Treffpunkt der Berliner Gesellschaft war, ist heute Sinnbild eines festgefahrenen Konflikts – und einer Entwicklung, die viele Beteiligte zunehmend zermürbt.

Die Baugenehmigung für die Bebauung des Areals ist inzwischen erteilt. Das zuständige Bauamt sah angesichts der bestehenden Rechtsprechung keinen anderen Handlungsspielraum. Für die Anwohnerinnen und Anwohner ist dies ein erneuter Rückschlag. Der Frust sitzt tief, der Widerstand bleibt: Zahlreiche Betroffene kündigen rechtliche Schritte an. Gleichzeitig wächst bei einigen die Resignation – ein jahrelanger Kampf gegen Verdichtung und Bebauung zehrt sichtbar an den Kräften.

Dabei ist dieser Ort weit mehr als eine ungenutzte Fläche. Die Tennisplätze entstanden zwischen 1927 und 1931 nach Plänen des Architekten Erich Mendelsohn als Teil des visionären WOGA-Komplexes. Wohnen, Kultur und Freizeit wurden hier erstmals konsequent miteinander verbunden. Auf roter Asche spielten einst Künstler, Intellektuelle und prominente Berliner – Namen wie Erich Kästner oder Vladimir Nabokov werden mit diesem Ort in Verbindung gebracht. Der Tennisplatz war nicht nur Sportstätte, sondern Ausdruck eines modernen, urbanen Lebensgefühls der Weimarer Republik.

Heute ist davon vor allem eines geblieben: eine besondere Atmosphäre. Wer durch den Zaun blickt, erkennt noch die verblassten Linien der Courts, überwuchert von Sträuchern. Ein kleiner roter Kiosk steht wie ein stiller Zeuge vergangener Zeiten. Diese Mischung aus Verfall und Geschichte macht den Ort für viele so einzigartig – und schützenswert.

Seit dem Verkauf des Geländes im Jahr 2007 zieht sich der Streit um die Zukunft des Areals hin. Trotz Denkmalschutz gibt es immer wieder neue Bebauungspläne. Initiativen und Denkmalschützer sehen in den Tennisplätzen ein seltenes Zeugnis des „Neuen Bauens" und der Berliner Freizeitkultur. Für sie steht der mögliche Verlust exemplarisch für einen Wandel, der den Kurfürstendamm zunehmend prägt: weg von gewachsenen Freiräumen, hin zu Investorenprojekten und Nachverdichtung.

Gleichzeitig gehört zur Wahrheit auch eine andere Perspektive: Als das Grundstück einst zum Verkauf stand, hätte die Eigentümergemeinschaft es zu vergleichsweise günstigen Konditionen selbst erwerben können. Viele der heutigen Konflikte wären möglicherweise nie entstanden. Diese Tatsache zeigt, wie komplex die Lage ist – und dass es keine einfachen Antworten gibt.

Wie es weitergeht, bleibt offen. Wird es einen Kompromiss geben? Werden Gerichte zugunsten der Anwohner entscheiden? Oder wird am Ende doch gebaut? Sicher ist nur: Die Hängepartie geht weiter. Zwischen Hoffnung und Enttäuschung, zwischen Erinnerungsbewahrung und Stadtentwicklung kostet sie alle Beteiligten Zeit, Kraft und Nerven.

Der WOGA-Komplex ist damit längst mehr als ein Bauprojekt. Er steht für die grundlegende Frage, wie Berlin mit seiner Geschichte umgeht – und wie viel Vergangenheit eine wachsende Stadt bereit ist zu bewahren.